A. Jain

Die Raum-Wahrnehmung des Autofahrers

Autobahn A 40 - Gestaltanalyse und Gestaltungsvorschläge
für den Teilabschnitt Essen-Zentrum bis Grenze NL

Diplomarbeit: Angela Jain, Uni Essen - Landschaftsarchitektur - 
Referentin: Prof. Dipl. Ing. E. Sikiaridi; Korreferent: Dipl. Ing. H. Sandmann
Inhalt

Motivation

Heute verbringen, das beweisen stetig steigende Mobilitätszahlen, wesentlich mehr Menschen ihre Zeit mit der schnellen Fortbewegung auf Verkehrswegen und damit besonders auch auf Autobahnen.
Gegenüber anderen Räumen gewinnt die Autobahn deshalb einen immer größeren Stellenwert. Sie wird jedoch hauptsächlich aus verkehrstechnischer Sicht geplant, gestalterische Aspekte bleiben unberücksichtigt. Die Information von außen ist gering und die Aufmerksamkeit des Autofahrers beschränkt sich auf das lange Band der Straße. So ist die Wahrnehmung vor allem geprägt durch die Motivation der Fortbewegung zwischen Punkt A und Punkt B durch den Raum hindurch. Daher wird die Autobahn für den Autofahrer vor allem zum Transit-Raum, zu einem Korridor, in dem allein das Ziel von Bedeutung ist.
Videoprints: Landmarken

Inzwischen aber bildet der Freizeitverkehr mit etwa 50% des gesamten Verkehrsaufkommens den Hauptanteil am Verkehr. Der Beweggrund sich in das Auto zu setzen und ein Ziel anzusteuern ist also überwiegend aus dem Vergnügen, dem Bedürfnis nach Erleben und Erholung heraus motiviert. Doch die zur Verfügung stehende Zeit ist meistens knapp. Daher beginnt die Freizeit schon unterwegs und das Autofahren stellt mehr als die bloße Fortbewegung von A nach B dar - so sollte es zumindest sein.


Inhalt

A 40
Weshalb eine Arbeit über die Autobahn
Gedanken zur Autobahn
- Die Autobahn - ein Wahrnehmungsraum
- Die Autobahn - ein Nicht-Ort
- Die Autobahn - ein Ort
- Das Landschaftsbild des Autofahrers
- Die Orientierung im Raum
- Geschwindigkeit versus Wahrnehmung der Umgebung
- Motive einer möglichen Planung
Die Wahrnehmung
Die Untersuchung
- Vorüberlegungen zur Untersuchung einer Autobahn
- Themen der räumlichen Untersuchung
- Visualisierung der Untersuchung in Diagrammen
Schlußfolgerung für die Gestaltung
Kontakt


Weshalb eine Arbeit über die Autobahn

"Die Postillions fuhren, daß einem Hören und Sehen verging;
und so leid es mir tat, diese herrlichen Gegenden mit der entsetzlichsten Schnelle
und bei Nacht wie im Fluge zu durchreisen."

Johann Wolfgang von Goethe 
 

(...) Straßen und Transportmittel haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Doch das Gefühl, sich im "Irgendwo" ohne einen Bezug zu der Welt außerhalb des Automobils zu befinden - soundso viele Minuten oder Stunden vom Zielort entfernt, ist geblieben. Alles, was zählt ist, möglichst schnell dort anzukommen. Im Gegensatz zu früher verbringen heute wesentlich mehr Menschen ihre Zeit mit der schnellen Fortbewegung auf der Straße und damit auch auf der Autobahn. Deshalb gewinnt die Autobahn gegenüber anderen "Lebens"-Räumen einen immer größeren Stellenwert. (...) Andere Straßen und Wege, beispielsweise in der Stadt, werden im Gegensatz zu Autobahnen auch unter ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet. Kriterien wie Abwechslung, Raumfolge, Sequenz und Orientierung fließen in die Planung ein. Die Autobahn wird jedoch hauptsächlich aus verkehrstechnischer Sicht geplant. Das Ergebnis sind Strecken wie beispielsweise die Autobahn Saarbrücken - Paris. Ihre Gestaltung in den 80er- Jahren war derart eintönig, daß die Autofahrer reihenweise eingeschlafen sind. Daraufhin beschlossen die zuständigen Behörden, die Böschungen am Rande der Autobahn umzugestalten und mit Kunstobjekten zu versehen. Der Erfolg war eine deutliche Abnahme der Unfallzahlen.
In der Werbung beispielsweise wird dem Rezipienten das Autofahren fast ausnahmslos als phänomenales Erlebnis suggeriert - und mit spektakulären Landschaften in Verbindung gebracht. (...) Doch das beworbene Produkt ist das Auto, auf dessen Design viel Wert gelegt wird, und nicht die Straße. Für die Straße aber, auf der das teure Objekt zu Hause ist, sind selten Designabteilungen zuständig.
Viele Autobahnstrecken gleichen sich daher (...). Der Autofahrer findet sich oft nur zurecht, weil ihm bekannte Orts- oder Städtenamen auf den Schildern zu erkennen geben, wo er sich gerade befindet. Selten identifiziert er gewohnte Strecken durch Merkmale der Straße oder des Straßenraumes oder durch den Eindruck aus der Umgebung. (...) Der Autofahrer bewegt sich in einem Korridor, der auf weite Strecken von Böschungen und Bepflanzungen eingefaßt ist. Nur im Bereich der Ausfahrten erfährt er, wo er sich befindet, und dort kann er der "grünen Röhre" entfliehen.

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Gedanken zur Autobahn

Durch die starke Abgrenzung der Autobahn von anderen Räumen wird die Planung von Autobahnen heute meist den Verkehrsplanern überlassen. Nachdem die Belange von Natur und Landschaft - vertreten durch die Landschaftsplanung - in den Entwurf eingeflossen sind, spielen hauptsächlich die den Straßenmerkmalen angepaßte Geschwindigkeit und die Verkehrssicherheit eine Rolle. Es ist unstrittig, daß die Autobahn ein Teil der Landschaft geworden ist, und sie ist ein Raum, in dem gestaltet wird.

Die Autobahn - ein Wahrnehmungsraum

Ein Raum wird wahrgenommen von den Menschen, die in ihm leben und sich in ihm bewegen. (...) Bezogen auf das "System Autobahn" entsteht beim Fahrer also ein Raumgefühl für den Autobahn-Raum. Der Autofahrer nimmt alles wahr, was sich um ihn herum befindet: die Straße, den Verkehr und die Umgebung der Straße. Er fühlt sich wohl oder unwohl beim Fahren durch diesen Raum. Durch die vorliegende Untersuchung werden die räumlichen Qualitäten und die Möglichkeiten zur Gestaltung des Wahrnehmungsraumes Autobahn deutlich.

Die Autobahn - ein Nicht-Ort

Der Autofahrer bewegt sich in seinem Fahrzeug auf einer Linie und legt eine Strecke in einer bestimmten Zeit zurück. Dadurch wird die Autobahn für den Autofahrer vor allem zum Transit-Raum, zu einem Korridor. Obwohl die Aufenthaltsdauer hier oftmals höher sein dürfte, als in anderen, beispielsweise öffentlichen Räumen (Plätze, Parks), hat sie eher den Charakter eines "Nicht-Ortes" - hier möchte niemand wirklich sein. Die Information von außen bleibt meist gering und die Aufmerksamkeit beschränkt sich auf das lange Band der Straße. Die Wahrnehmung des Autofahrers ist geprägt durch die Motivation der Fortbewegung zwischen Punkt A und Punkt B durch diesen Raum hindurch. Es gibt nur eine vorgegebene Bewegungsrichtung und nur wenige Entscheidungsmöglichkeiten, insgesamt also wenig Abwechslung. Die besondere Qualität dieses Raumes liegt demnach in der Bewegung.

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Die Autobahn - ein Ort 

Eine Autobahn wird dennoch zum Ort, sobald für den Autofahrer eine Verbindung zwischen dem Autobahn-Raum und der Landschaft spürbar wird. In den Abschnitten, die es dem Fahrer ermöglichen, Information von außen zu bekommen, ist diese Verbindung hergestellt. "Ein Ort ist ein Schnittpunkt. Ein Ort entsteht dort, wo sich Linien kreuzen. (Eine Linie, eine Gerade ist kein Ort.) Der Ort versammelt Dinge; diese geben ihm Sinn." Die Informationen, die sich dem Autofahrer aus der Umgebung in den Autobahnraum hinein vermitteln, ermöglichen es ihm, die Umgebung (wieder-) zu erkennen und ihren Charakter zuzuordnen. So ist beispielsweise eine wahrgenommene Stadt ein Ort mit einer eigenen Identität, ein Ort, den der Autofahrer mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen füllen kann. Die "drei zentralen Merkmale des Ortes [sind]: Identität, Relation [Verbindung], Geschichte." Die Straße und die Autobahn selbst haben auch eine Geschichte. Sie wird ebenfalls nur dann spürbar und erfahrbar, wenn sie sich dem Autofahrer durch Schnittpunkte vermittelt. Das können alte Straßenbeläge, Brücken, Schilder, Inschriften oder andere Zeichen der Vergangenheit sein. "Es gibt Landschaften, in denen Flurgrenzen, die Wegenetze und die Siedlungen der Gegenwart wie durchsichtige Deckblätter auf die Landkarte der Vergangenheit aufgelegt sind." (...) Die Eindrücke, die der Autofahrer von außen wahrnehmen kann (Geschichte, Information über die Landschaft, wandelndes Landschaftsbild entlang der Strecke, Städte etc.) geben der Autobahn auch eine "Erlebnisqualität". Ein weiteres Merkmal, das die Autobahn zum Ort macht.

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Das Landschaftsbild des Autofahrers

Der Eindruck einer Landschaft, den der Autofahrer auf der Durchfahrt bekommt, stimmt nicht immer mit ihrem tatsächlichen Charakter überein. Der Autofahrer sieht vorwiegend die Rand-Begrenzung der Autobahn und schließt von diesem Eindruck auf die Umgebung. Oft wird das Bild der Landschaft dadurch verfälscht. Führt die Autobahn beispielsweise durch hohe und dichte Vegetation, nimmt der Fahrer an, er fahre durch ein langes Waldstück. Unter Umständen verläuft die Strecke aber in Wirklichkeit mitten durch eine Stadt und der "Wald" beschränkt sich auf die Breite der Straßenböschung.

Autobahn-Landschaft

Die Wahrnehmung der Landschaft funktioniert über das Erkennen von Zeichen und Symbolen. Der Autofahrer ordnet den Dingen, die er sieht, eine Bedeutung zu, dadurch entsteht ein persönlicher Bezug. (...) Streckenabschnitte, in denen die Landschaft wirklich sichtbar wird, ermöglichen dem Autofahrer einen tatsächlichen Eindruck des Landschaftscharakters. Umgekehrt läßt sich das Landschaftsbild des Autofahrers von einer Region aber auch gezielt beeinflussen, indem die Wahrnehmung gelenkt wird. Dem Fahrer werden Symbole angeboten, die einen wirklichen Einblick in die Umgebung ersetzen. Über diese Symbole prägt sich dann das Bild der Region hinter der Autobahn. Genauso kann das Informationsdefizit bzw. die Monotonie des Erlebten in diesem geschlossenen Raum dafür genutzt werden, die Aufmerksamkeit des Autofahrers auf etwas vollkommen Neues (...) zu lenken - beispielsweise Kunstobjekte. Es besteht also die Möglichkeit, innnerhalb eines solchen Wahrnehmungs-Raumes eine künstliche Wirklichkeit zu schaffen, die Planung und Gestaltung freien Raum läßt. Für eine Planung (...) bietet sich an, zunächst den Charakter des Landschaftsbildes zu ermitteln - für urbane Regionen ist eine Untersuchung von Stadtbildern selbstverständlich. Der Einfluß von Identität, Struktur und Bedeutungen der Stadt auf die Wahrnehmung des Stadtbewohners wird anhand verschiedener Merkmale untersucht. Diese sind beispielsweise Wege, Ränder, Bereiche, Knotenpunkte und Landmarken.

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Die Orientierung im Raum

Vor jeder Fahrt hat der Autofahrer eine ungefähre Vorstellung von der Strecke und den Gegenden, die sie durchquert - er weiß also in etwa, was er zu erwarten hat. (...) Beim Fahren vergleicht er das vorgestellte Bild der Autobahn und ihrer Umgebung mit der tatsächlich erlebten Situation, (...) und damit die Richtigkeit seiner "Raumerwartung". Findet er eine Übereinstimmung von Raumerwartung und der wirklichen Umgebung, entsteht ein positives Raumgefühl - ein Gefühl der richtigen Orientierung und der Sicherheit. (...) Im Verkehrssystem, insbesondere auf der Autobahn, findet Orientierung über Schilder statt. (...) Außer Namen und Entfernungen vermitteln (sie) jedoch keine weitere Information über Orte oder Landschaften. Für die Orientierung im Raum (nicht im Verkehrssystem) benötigt der Fahrer jedoch Kontakt zu seiner Umwelt und Information aus der Umgebung. (...) "Das Auge ist ein mobiler Ermittler, der in einer zunehmend undurchschaubaren, veränderlichen, unverläßlichen Welt alle Anhaltspunkte registriert, die zur Aufklärung führen können, die ihm helfen zu ermitteln, wo er sich befindet. [...]" Das kann eine Brücke sein, unter der der Autofahrer hindurch fährt, oder das Haus auf einem Feld. Bewußt oder unbewußt können auch "Landmarken" beim Fahren auf der Autobahn zur Orientierung im Raum herangezogen werden. Landmarken sind markante Objekte, die meist eine einfache und einprägsame Form haben, die sich von ihrer Umgebung abheben und die an der Stelle an der sie sich befinden einzigartig sind. Diese werden vom Autofahrer in seiner Vorstellung mit einer bestimmten Stelle auf der Autobahn in Verbindung gebracht. Die Stelle erhält dadurch eine Identität und sie repräsentiert ihre Umgebung.

Textbild Raumwahrnehmung

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Geschwindigkeit versus Wahrnehmung der Umgebung

Beim Fahren mit hoher Geschwindigkeit verengt sich der Sehwinkel des Autofahrers und der Fokus liegt hauptsächlich auf der eigenen Fahrspur. Je höher die gefahrene Geschwindigkeit, desto geringer ist die Wahrnehmung der Umgebung. Nur wenn der Sichtbezug nach außen über eine längere Strecke bestehen bleibt, kann die Umgebung gesehen und bewußt wahrgenommen werden. Hat der Autofahrer keinen (visuellen) Kontakt zur Umgebung, bekommt er keine direkte Information über die Landschaft und kann sich kein Bild davon machen. Es entsteht der Eindruck, daß er sich an keinem (identifizierbaren) Ort befindet. Und so wächst das Bedürfnis möglichst schnell an einen "Ort" zu gelangen. Entfernungen werden immer weniger an der räumlichen Ausdehnung einer Strecke gemessen, als an der Zeit, die es dauert, diese Strecke zu überwinden. Beim Fahren verliert sich durch die hohe Geschwindigkeit der Bezug zum dreidimensionalen Raum, die zeitliche Dimension dominiert die Aufmerksamkeit. Eine Folge davon ist, je geringer die Wahrnehmung der Umgebung - je geringer die Abwechslung, desto größer ist das Bedürfnis nach Geschwindigkeit. Das subjektive Geschwindigkeitsgefühl des Fahrers verringert sich durch das Fehlen von Fixpunkten entlang der Strecke, an denen sich der Blick festhalten kann. Solche Haltepunkte teilen die Strecke in räumliche und zeitliche Abschnitte ein, so daß der Autofahrer seine Geschwindigkeit abschätzen kann. Durch Reize von außen wird die Aufmerksamkeit des Autofahrer wieder in den Raum zurückgeholt. Die Wahrnehmung des Raumes verringert die Bedeutung der Geschwindigkeit.

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Motive einer möglichen Planung

Die Autobahn ist ein Teil der Landschaft, die sie durchquert. Ziel ist es, den Autofahrer diese Landschaft "erfahren" zu lassen (...) Viele Städte und Regionen legen Wert darauf, über das Stadt- oder Landschaftsbild ein bestimmtes Image zu vermitteln. (...) Die A 40 führt durch die Industrie-Region Ruhrgebiet, die sich in einem Wandlungsprozeß befindet - von der Schwerindustrie auf der Suche nach einer neuen Identität. Als Folge von technischen Reformen verändern sich im Laufe der Zeit auch die Kultur und das Landschaftsbild. (...) In einer Landschaft, die über Jahrhunderte vom Menschen geformt wurde, ist der Landschaftsplaner mehr denn je gefragt. Und Autobahn und Landschaft stehen sich besonders in Regionen wie dem Ruhrgebiet nicht zwangsläufig als unvereinbar gegenüber. "Landschaftsstrukturen müssen Anknüpfungspunkte in der Industriegesellschaft suchen, anstatt sich als ´Refugium´ und damit als grüner ´Zwischenraum´ zu begreifen, der die technischen Veränderungen nur widerwillig zur Kenntnis nimmt." 

Inhalt


Die Wahrnehmung

In der vorliegenden Untersuchung wird die Autobahn aus der Perspektive des Autofahrers analysiert. Allein die subjektive Wahrnehmung des Menschen spielt also eine Rolle, und mit ihr beschäftigen sich die Wahrnehmungs- und die Verkehrspsychologie. Einige Erkenntnisse dieser Disziplinen fließen hier mit ein. (...) Bisher waren häufiger andere Straßentypen und nur selten die Autobahn Gegenstand von Untersuchungen über Geschwindigkeitswahrnehmung und die Wahrnehmung der Straße. Diese Untersuchungen beschäftigten sich hauptsächlich mit den reinen Verkehrsfunktionen der Straße, wie beispielsweise die Gestaltung von Schildern und Fahrbahnmarkierungen und die Einschätzung der eigenen Geschwindigkeit im Verhältnis zu den anderen Verkehrsteilnehmern.

Inhalt


Die Untersuchung

(...) Es gibt viele Disziplinen, aus deren Sicht die Autobahn betrachtet werden kann: die Regional- und Landschaftsplanung, die Verkehrsplanung, der Straßenbau, die Umweltpolitik, die Autoindustrie und die Autolobby, der Motorsport... Die vorliegende Arbeit konzentriert sich aber auf den Blickwinkel des Autofahrers, der sich Tag für Tag auf der Autobahn fortbewegt. Es ist eine Arbeit über die subjektive Sicht auf einen Raum. Der Nutzer der Autobahn spielt also in der Untersuchung die Hauptrolle. Es geht dabei um einen Raum, der sich am Fahrer vorbei "bewegt"; einen Raum, der durch "Straßenmerkmale" definiert ist; einen Raum, der durch seine Umgrenzungen zu einem "Straßenraum" wird; und einen Raum, der geöffnet wird durch die "Sichtbarkeit der Landschaft" oder vielmehr dem, was dem Fahrer davon bleibt. (...) In den Kriterien wird auch die Verkehrssicherheit nicht außer acht gelassen. Welche Stellen der Autobahn Gestaltungspotentiale in sich bergen, ist eines der Ergebnisse der Untersuchung.

Videoprints:UntersuchungsthemenInhalt

Vorüberlegungen zur Untersuchung einer Autobahn

Die Untersuchung der Autobahn A 40 gliedert sich in zwei Teile:
  • a) die Untersuchung des Raumes (Wie sieht der Autofahrer den Raum?) Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Untersuchung räumlicher Qualitäten des Wahrnehmungs-Raumes Autobahn. Die räumlich-strukturellen Gegebenheiten entlang der Strecke werden im Hinblick auf die subjektive Wahrnehmung des Autofahrers analysiert. Es werden Kriterien gefunden, anhand derer die Eigenschaften und der Ist-Zustand des Bewegungs-Raumes Autobahn benannt und untersucht werden können. Diese Kriterien müssen trotz der Subjektivität der Wahrnehmung erfaßbar und dokumentierbar sein. (...) Eine Rolle spielen dabei Aspekte der Wahrnehmung von Verkehr und Bewegung, der räumlichen Wahrnehmung der Autobahn, der Wahrnehmung des Straßenraumes, der Wahrnehmung von Orten und Landschaften und der Orientierung im Raum. Ziel der räumlichen Untersuchung ist, Teilstrecken auf der Autobahn zu ermitteln, auf denen eine Planung möglich ist.
  • b) die Interpretation des Raumes (Wie deutet der Autofahrer den Raum?) Dieser Teil der Untersuchung befaßt sich mit Inhalt und Bedeutung des Wahrgenommenen (...). Die Bedeutung, die der Autofahrer dem Gesehenen gibt (Geschichte der Objekte, Freizeitwert von Landschaften) ist subjektiv, also Interpretation. Sie kann aber nach den verschiedenen Landschafts-Charakteren kategorisiert werden. Ziel der Interpretation des Autobahn-Raumes sind Anregungen für die Inhalte einer Planung.


Inhalt

Themen der räumlichen Untersuchung

Ein Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, wie stark die Aufmerksamkeit des Autofahrers durch die "Straßenmerkmale", den "Straßenraum" und die Umgebung der Autobahn ("Sichtbarkeit der Landschaft") gefordert wird. (...) Wieviel Kapazität für die Wahrnehmung der räumlichen Situation und der Umgebung neben der Fahr-Aufgabe übrig bleibt, ist in erster Linie von der Verkehrssituation abhängig. Entsprechend dem Verkehrsaufkommen, der Jahres- und Tageszeit und der Wetterlage kann sich die Verkehrssituation aber ständig ändern, was in der Untersuchung nicht berücksichtigt werden kann. Daher wird nur die erhöhte Aufmerksamkeit des Autofahrers an Stellen mit größerem Unfallrisiko berücksichtigt. Beispielsweise erwartet ein Autofahrer an Autobahn-Einfahrten Fahrzeuge, die sich in den fließenden Verkehr einordnen müssen. Solche Gefahrenzonen erhalten im Untersuchungs-Thema Straßenmerkmale eine besondere Beachtung.

Visualisierung der Untersuchung in Diagrammen

Für die Darstellung der Untersuchung werden die Untersuchungs-Elemente aus der Vorlage, dem Videofilm, in Diagramme übertragen. Zur Vereinheitlichung werden sie abstrahiert und von ihrer realen Form losgelöst - zum Beispiel wird aus der Randbegrenzung ein grüner Balken. Diese Darstellungsform gibt also nicht Gestalten oder konkrete räumliche Gegebenheiten wieder. Sie bietet sich an, weil sich darin die Elemente (grafisch) miteinander vergleichen und addieren lassen. 

Ergebnis der räumlichen Untersuchung

Die Untersuchung weist Streckenabschnitte aus, in denen eine Gestaltung der Autobahn oder der Umgebung möglich ist, ohne die Verkehrssicherheit zu beeinträchtigen, bzw. in denen eine Planung die Verkehrssituation sogar positiv beeinflußt. (...) Die Aufmerksamkeit des Autofahrers wird demnach im Verlauf der Strecke abschnittsweise stark und dann wieder wenig gefordert. Daraus ergibt sich ein Rhythmus von Wahrnehmungs-Dichte und -Intensität entlang der gesamten Autobahnstrecke. Eine Abwechslung von Autobahn-Abschnitten unterschiedlicher Aufmerksamkeits-Intensität ist sinnvoll, so kann sich der Autofahrer nach einer hoher Beanspruchung auch zwischendurch entspannen. Durchfährt er aber längere Abschnitte, in denen keine Abwechslung stattfindet, kann die Entspannung auch zur Monotonie werden. Monotone Strecken wirken ermüdend und die Reaktionsbereitschaft des Autofahrers läßt nach. Ständige und gleichmäßig hohe Beanspruchung der Aufmerksamkeit kann ebenfalls bewirken, daß die Konzentration des Autofahrers zurückgeht. Er kann sich durch die dauernde Flut von Reizen weder entspannen, noch erfährt er eine Abwechslung. Eine Planung sollte daher längere, gleichförmige Strecken zugunsten einer Abwechslung unterbrechen und somit auch den Rhythmus der Reize ändern. Unübersichtliche Autobahnabschnitte sind meist mit einer hohen Beanspruchung des Autofahrers verbunden. Hier sprechen alle Faktoren gegen eine zusätzliche Ablenkung des Autofahrers. Zu viel Information überfordert das Konzentrationsvermögen. Eine mögliche Planung ist, diese Bereiche übersichtlicher zu gestalten.

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Schlußfolgerung für die Gestaltung

Eine Gestaltung an der Autobahn, sollte dem Autofahrer seine Umgebung näher bringen und sie für ihn er-fahrbar machen, wenn die Zeit im Auto nicht zur Un-Zeit und die Verkehrswege nicht zu Nicht-Orten verkommen sollen. Der Autofahrer ist immer noch der Reisende und die Autobahn sein Weg, auf dem er die Landschaft durchquert. Wäre also nur die Zeit der entscheidende Faktor der Fortbewegung, könnten die Straßen in letzter Konsequenz auch durch Tunnel geführt werden. Das wäre wohl für die Geschwindigkeit am effizientesten. Eine Gestaltung der Autobahn aus der Perspektive des Autofahrers sollte die Funktion haben, die Wahrnehmung des Autofahrers im weitesten Sinne positiv zu beeinflussen. Schon deshalb, weil inzwischen der Freizeitverkehr 70% des Gesamtaufkommens ausmacht. Die Freizeit beginnt also schon unterwegs und das Autofahren stellt mehr als die bloße Fortbewegung von A nach B dar. Ein Aspekt von Freizeit ist die Erholung, ein anderer die Unterhaltung. Auch werden moderne Navigationssysteme in Zukunft dafür sorgen, daß der Fahrer noch mehr "freie Zeit" beim Fahren hat, weil seine Aufmerksamkeit immer weniger an den Verkehr und die Orientierung im Verkehrssystem gebunden ist. Diese und viele vorher genannten Motive können in eine Planung einfließen.
Auszug aus der Diplomarbeit von Angela Jain
im Februar 2000

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Kontakt:A.Jain

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Nachhaltigkeitsstrategien im Freizeitverkehr 
im Forschungsprojekt "EVENTS - Freizeitverkehrssysteme für den Eventtourismus"
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